Deutsch-Österreichische Meisterschaft in Puch

Jetzt ist sie rum, die Deutsch-Österreichische Meisterschaft in Puch bei Weiz in der Steiermark. Und ich habe von dort nicht ein Wort geschrieben – Schande über mich. Dann wenigstens jetzt im Nachhinein ein paar Zeilen.

Willkommen

Puch hat sich sicherlich von seiner besten Seite gezeigt – organisatorisch, gastfreundlich, landschaftlich. Selbst das Wetter war mehr als die Hälfte der Zeit schön. Nur leider eben nicht überwiegend zum Ballonfahren geeignet.

Der Kulm, eines der Wahrzeichen von Puch
Der Kulm, eines der Wahrzeichen von Puch

Unser Plan war, bereits am Samstag den 26. April anzureisen und ein paar schöne Trainingsfahrten zu machen. Die Wettervorhersage aus Puch war aber leider gewittrig und regnerisch, so dass wir erst am Montag los fuhren. Komisch, die zusätzliche freie Zeit zuhause haben wir auch so rum gekriegt und im Nachhinein ist es fraglich, ob mit nur einem Packtag wirklich alles mit gekommen wäre. Erstaunlich, was nach dem Saisonende im September/Oktober alles wo hin gerät und erst aufwendig gesucht werden muss …

Nun gut, wir hatten eine angenehme Anreise am Montag und der Dienstag war für uns zum Ruhetag, denn Ballonwetter war es nicht. So konnten wir uns gemütlich in unserem Kellerstöckerl in Elz einrichten.

Kellerstöckerl Elz

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Am Mittwoch früh klappte es dann mit der Trainingsfahrt. Wir trafen uns zum Feldbriefing um 06:00 auf dem Pucher Startplatz. Yogi und Sabine machten gleich eine Windmessung, während wir die große Begrüßungsrunde durchliefen.

Der Lokalmatador Werner Schrank meinte, es gäb halt das ganz normale „Rinnen“. Das ist ein Kaltluftabfluss aus den nördlich liegenden Bergen, der sich in den Tälern kanalisiert und wie ein bach aus Luft über Puch hinwegrauscht, um sich dann einige Kilometer südlich in die Breite zu ziehen und abzuschwächen. Diejenigen, die sich für ein Fly In entschieden, mussten auch über 8 km nach NNW fahren, um in der Gegend nördlich von Anger einen einigermaßen windgeschützten Startplatz zu finden.

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Von dort aus „rannen“ wir dann an Anger vorbei bzw. darüber hinweg ins Tal gen Puch.

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Leider wurden wir aus der Rinne hinaus gespült und verfehlten den Startplatz um ca. 1 km. Zwei weitere Fly On Ziele konnten wir aber gut anfahren und somit war die Trainingsfahrt ein voller Erfolg.

Am Mittwoch nachmittag fand das Generalbriefing statt und am Abend gab es dann die Eröffnungsfeier mit Reden der Offiziellen und Honoratioren sowie einer zünftigen Brettljausen.

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Am Donnerstag früh blies es. Das Rinnen war wieder da. Allerdings heftiger als am Vortag, weshalb die Wettbewerbsleiter Stefan Handl und Thomas Herndl nur zwei Aufgaben setzten: Ein Qual der Wahl mit drei möglichen Zielen und ein selbst gewähltes Ziel, das vor der ersten Aufgabe in den CIA-Logger einzugeben war. Kleines Schmankerl, das für etwas Kopfzerbrechen sorgte: Der Startplatz war frei zu wählen – sozusagen ein Fly In auf die 3 Qual der Wahl Ziele. Wie immer bei selbst gewähltem Startplatz schwärmten die Ballonteams aus, fanden sich aber nach kurzer Zeit nahezu alle auf dem Pucher Startplatz ein, da dort der einzige windgeschützte Platz in der Umgegend war. Trotzdem war es dort böig und es gab einige Ahs und Ohs über besonders verformte Hüllen beim Übergang aus dem Lee in die schnelle Obserströmung. Einer nahm gar den Windsack auf’s Korn – jedoch ohne Schaden an Windmast oder Ballon.

 

Belgischer ballonnachwuchs
Belgischer ballonnachwuchs

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David auf dem Weg zum Meistertitel
David auf dem Weg zum Meistertitel

Bei mir lief es in dieser Fahrt eher mistig. Die wenigen Minuten bis zum Erreichen des ersten Ziels waren recht hektisch, da ich das Ziel der zweiten Aufgabe während der Fahrt nochmal korrigierte und in den Logger neu eingeben musste. Die Strecke reichte mir nicht zur Kurskorrektur, so dass ich etwa 90 m rechts vorbei fuhr. Trotzdem probierte ich, den Marker in die Marker Measuring Area hinein zu schleudern. Damit und mit dem Fahren des Ballons war ich so beschäftigt, dass ich nicht mit bekam, dass mein Tastendruck für Loggermark vom Gerät nicht angenommen wurde. Ich fuhr genau auf mein neu deklariertes Ziel zu, nur als ich etwa 500 m vorher den Loggermarker vorbereiten wollte, stellte ich fest, dass Loggermark 1 noch auf dem Display und damit nicht abgeschlossen war. Schnell drückte ich den Knopf, im nachhinein ein ziemlich unnötiges Unterfangen, da ich ja schon 2,5 km vom Ziel entfernt war. Dann wollte ich Loggermark 2 drücken, als mir einfiel, dass ja Ziel 2 mehr als 1 km vom Marker der Aufgabe 1 entfernt sein musste. Also wollte ich umdeklarieren, aber dann fiel mir ein, dass die deklaration ja vor dem Marker der Aufgabe 1 hätte passieren müssen. Also drückte ich doch meinen Loggermark 2, 500 m hinter dem ziemlich genauen Überfahren meines Ziels. danach suchte ich im bockigen Wind nach einer Landemöglichkeit. Hinter einer Kuppe bot sich eine Wiese im Lee an. Kurz vor dem Aufsetzen wandelte sich das Lee aber in einen Windkanal um, der unseren Evonik Ballon flugs links der Fahrtrichtung bewegte und dort ein Baum meinte, uns mit Macht anspringen zu müssen. Zwei Äste grüßten uns aus dem Hülleninneren, bevor die Reise weiter ging. Ein Stück weiter landeten wir auf der Wiese neben Martin Wegner, aber unsere Crew war auf der anderen Talseite. Also starteten wir noch mal durch und landeten schließlich ruhig in der Nähe von Gleisdorf – mit 2 Rissen in der Hülle und 383 Punkten aus 2 Aufgaben auf Platz 43 von 47.

Risse im Ballon
Risse im Ballon

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Im Vergleich dazu hatte David Strasmann 1926 Punkte aus den beiden Aufgaben geholt. Respekt ! Und gleich dahinter lag Dolly Deimling. Ob die miteinander trainiert haben ? Auch wenn ich in guter Gesellschaft war – bis auf David war es bei den Nationalmannschaftspiloten auch nicht prickelnd gelaufen – so war das sicher kein Trost.

Ergebnisse Fahrt 1

Das konnte so nicht bleiben ! Weder die Risse im Ballon noch die Plazierung. Für das Erstere sorgten Maria und Elisabeth Kindermann, die bis zum Nachmittag den Evonik Silver Star wieder zusammen flickten. Für das Zweite hatte ich zu sorgen und blies zur Aufholjagd. Das verpuffte aber erst mal, als der Wettbewerbsleiter mich anrief und sich erkundigte, ob denn das Minimum für deine gültige Meisterschaft wirklich 2 Fahrten und 5 Aufgaben seien. Das machte nicht viel Mut.

Am Donnerstag abend wurde die Fahrt aus Wettergründen abgesagt. Es hatte nachmittags Gewitter gegeben und die Pfützen trockneten noch. Danach, so prognostizierte der Wetterguru Günther Mahringer, würde die Quellbewölkung wieder einsetzen und erneut sich Gewitter aufbauen. Wir beschlossen als Ausweichprogramm ein paar geocaches zu suchen – bei bestem Wetter, das gar nicht gewittrig werden wollte.

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Am Freitag früh im Briefing hatten wir 4 Aufgaben auf dem Blatt stehen: Ein Fly In auf den Pucher Startplatz, ein Qual der Wahl auf 3 Ziele, danach einen Ellenbogen (möglichst große Richtungsänderung während der Fahrt) und schließlich ein Maximum Distance, wo wir innerhalb 20 Minuten nach Beendigung des Ellenbogens so weit wie möglich fahren mussten.

Die kalte Luft rann wieder, so dass Martin Wegner und ich zum erprobten Startplatz der Trainingsfahrt fuhren und dort starteten. Unterwegs kamen wir über so manchen Ballon hinweg, der mit dem starken Bodenwind kämpfte, um in die Luft zu kommen.

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Dann spülte es uns wieder rechts aus der Rinne heraus, aber diesmal konnte man in der Höhe nach links korrigieren. Die Korrektur brachte mich genau über das Sperrgebiet Nr. 4, das Stutenmilchgestüt Oberfeistritz.

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Danach ging es über die Kreuzung in Harl, der Geheimtipp für Fly Ins beim Rinnen, und von dort aus auf den Startplatz zum ersten Ziel.

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Die Anfahrt lief so super, dass Charlotte schon weit vorher sagte: Das Zielkreuz entwischt uns nicht mehr. Und so kam’s:

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(Unser Marker ist der links oben in der Kreuzmitte).

Und auch das 2. Ziel (das mittlere der 3 Qual der Wahl Ziele) klappte super. (wieder links oben in der Kreuzmitte).

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Danach stieg ich auf und fuhr in 3500 ft MSL ziemlich genau nach Norden, der bisherigen fahrtrichtung entgegengesetzt. Dort setzte ich meinen ersten elektronischen Ellenbogen-Marker und 1,5 km weiter den zweiten. Dann ging es wieder runter in die Bodenschicht und mit 23 km/h auf den ersten. Den traf ich bis auf wenige Meter genau und setzte dort den dritten Ellenbogen-Marker, der auch gleichzeitig der Startpunkt der Maximum Distance war. In den folgenden 20 Minuten wurde die Geschwindigkeit zwar stetig langsamer, aber wir kamen in den 20 Minuten immerhin noch etwas über 5 km weit. Beim Loggermarkern war dann allerdings der Wind weg und wir mussten einen Landeplatz in einer anderen Höhe und Richtung anfahren.

Fahrt 2

Das gute Gefühl nach der Fahrt wurde später durch die Ergebnisse bestätigt.

Ergebnisse Fahrt 2

Freitag abend gab es ein Feldbriefing bei Werner Schrank zuhause. Leider wollten diesmal die Gewitter wirklich nicht ausruhen und es stieg sogar der Hagelflieger auf, um die jungen Äpfel mit seinen Silberjodid-Gaben zu schützen. Wir schauten uns das Wetter eine Weile an und sagten dann ab. Vorher ließ ich meine Drohne umherfliegen und machte ein paar Luftbilder vom Feldbriefing. eine zweite Drohne aus Davids Mannschaft machte Videos.

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Am Samstag früh sah es auf dem Wettercomputer noch vielversprechend aus, aber während des Briefings fing es an zu regnen. Also war es nix mit der Morgenfahrt.

Mittags war es wieder schön – zum Ausruhen, Geocachen und für einen Plausch mit dem gerade vorbei kommenden Himmivadder.

Himmivadder Liegebank

Samstag abend hatte uns die angekündigte Starkwindzone erreicht. Das war noch mal ein schnaps mehr als die Windgeschwindigkeit beim Rinnen. 45 Knoten in 1000 ft Höhe. Da bleibt auch ein wettbewerbsgeiler Competition Pilot lieber am Boden.

Die Starkwindzone blieb auch am Sonntag zu Gast, so dass das Morgenbriefing per SMS und Email abgesagt wurde.

Mittags gab es die Siegerehrung und hervorragendes Spanferkel danach. Da mochte man sich gar nicht losreißen, um die 10-stündige Heimreise anzutreten.

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Endergebnisse

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Deutsch-Österreichische Meisterschaft in Puch“

  1. Ja super, danke für den eindrucksvollen Einstieg in die Berichterstattung, Uwe !

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