„Kleiner“ Zwischenbericht

Hallo alle zusammen,

nachdem uns langsam das Freizeitprogramm ausgeht weil wir am Samstagabend unsere letzte Fahrt hatten nehme ich mir mal die Zeit und werde euch ein wenig berichten, was wir in den letzten Tagen so in Spanien gemacht haben.

Wie ihr ja schon gelesen habt sind am Dienstagabend unsere Teams in Lleida eingelaufen. David hat gleich am Mittwochmorgen eine erste Trainingsfahrt gemacht. Am Mittwochnachmittag kam ich dann mit meiner Mannschaft an und gegen 22 Uhr Abends das Team Borgmeier. Team Kohl und Team Strauf wollten morgens gegen 6 Uhr, pünktlich zur Trainingsfahrt (!) auch im Hotel ankommen! Das hat auch geklappt und so waren wir schon rund 15 Teams, die am Donnerstagmorgen gemeinsam mit einem von David und Stefan (Zeberli) erstellten Aufgabenblatt trainieren konnten. Im Laufe des Donnerstags kamen dann auch noch die Teams Schneider und Göhler an, sodass die Deutsche Mannschaft komplett war. Wir und das Team Strasmann haben den Donnerstag genutzt und sind nach Barcelona gefahren um dort einen tollen Urlaubstag am Meer und in der Stadt zu verbringen. In den ersten Tagen hatte uns auch die Hitze fest im Griff gehabt. Tagsüber deutlich jenseits der 30 Grad Marke und in der Nacht ein zaghafte Annäherung an die 20 Grad Marke, aber nie darunter. Für uns Mitteleuropäer ganz schön gewöhnungsbedürftig.

Zur eigentlich offiziellen Trainingsfahrt inkl. Briefing fanden sich dann am Freitagmorgen eine Unmenge Ballonteams am Competition Center ein, nur leider hat sich keiner der Offiziellen blicken lassen, so dass Stefan netterweise schnell ein Tasksheet aus dem Drucker in seinem Bus gezaubert hat und uns mit Aufgaben für diesen Morgen versorgt. Am Ende fanden sich am CLP rund 35 Teams ein um dort zu trainieren. Das war schon mal ein toller Anblick und ein gutes Training um ins Wettkampffeeling zu kommen. Einige Ballone blieben auch sehr lange in der Luft um zu probieren wann denn die Thermik einsetzt, gaben aber gegen 11 Uhr aufgrund Gasmangels auf (ohne Thermik)!

So waren wir also bestens präpariert und gerüstet für den Start der Europameisterschaft 2011. Am Nachmittag um 15 Uhr gab es dann ein 1 1/2 Stunden Generalbriefing in einem großen Zelt bei gefühlten 40 bis 45 Grad. Die Fragen der Wettbewerber hielten sich daher wohl auch in Grenzen.

Nächster Programmpunkt war dann die Offizielle Eröffnung der Europameisterschaft auf der Burg von Lleida durch den Bürgermeister der Stadt und Dr. John GRUBBSTRÖM, den Präsidenten der FAI (Fédéracion Aéronautique Internationale). Ein absolut herrliches Ambiente und perfekter Abend für den Beginn dieser Europameisterschaft). Hier hat die Deutsche Mannschaft auf jeden Fall absolut geglänzt mit ihrer neuen Teamkleidung. Allerdings hat sich alles recht schnell aufgelöst da alle Teams möglichst zeitnah ins Bett wollten um am nächsten Tag für die erste Fahrt ausgeschlafen zu sein. Auch wir haben uns nach einer kurzen Teamsitzung im Mannschaftshotel gegen 22 Uhr in die Betten verzogen.

Samstagmorgen, 5:40 Uhr, das große Kämpfen um die besten Parkplätze am Briefingzelt beginnt und die Piloten versammeln sich vor dem Einlass. So langsam ist es wieder da, das kribbeln in der Magengegend (nein, das liegt nicht am frühen Aufstehen und dem nüchternen Magen 🙂 ) vor einem großen Wettkampf. Alle sind gespannt mit welchen Aufgaben wir in diese EM starten werden und wie die erste Fahrt laufen wird. Dann gleich schon mal das erste „WOW“, denn wir legen gleich mit 5 Aufgaben los. Start ganz klassisch mit einem FlyIn, ein Qual der Wahl, ein Selbstgewähltes Ziel und abschließend noch Dreiecksfläche und Winkel. Also gleich mal als erstes die Mannschaft angewiesen die Gasreserven auszupacken und alles in den Korb zu packen, da es nach einer sehr langen Fahrt aussah. Bei einem Start ab 07:40 Uhr und einem Wertungsende von 10:30 Uhr sind das schon alleine fast 3 Stunden Wettkampfzeit (und da hat man noch keinen Landeplatz gesucht). Und das alles bei Temperaturen die sich schnell nach Sonnenaufgang der 30 Grad Marke nähern sollten. Also schnell alles präpariert und rausgefahren ins mögliche Startgebiet. Was wir dort vorgefunden haben? Nichts, denn es war stockdunkel!! Sonnenaufgang war ja um 07:39 Uhr, und wir waren gegen 06:45 Uhr im Startgebiet (die weiteren Morgenbriefings werden auch erst um 06:30 Uhr sein!!). Also hies es erst mal abwarten und zu versuchen die Anspannung zu halten, bis man erste eigene Windmessungen durchführen konnte. Die Grundstrategie war relativ schnell besprochen (HWZ, FlyIn und dann die „Technikaufgaben“ Winkel und Dreiecksfläche und erst am Ende das PDG), nur ein „richtiger “ Startplatz musste noch gefunden werden. Gegen 07:40 Uhr ging dann plötzlich alles ganz schnell. Wir wollten den noch vorhandenen Bodenwind nutzen um von Nordosten möglichst nah an den Zielen zu starten und in einem Rutsch über Qual der Wahl und FlyIn zu fahren um dann mal „zu schauen“ wie wir dann weiter machen. Also losgedüst, irgendwo angehalten und aufgerüstet. Letztlich konnte man fast wieder aus allen Richtungen anfahren und somit hatte man gute Chancen die Ziele ordentlich zu treffen. Das gelang natürlich dem einen besser, dem anderen schlechter, aber alles in allem waren wir gar nicht schlecht dabei und konnten fast alle Marker ins Ziel bringen. Beim FlyIn gab es zwar mit 15 Metern Ablage nur noch 500 Punkte, aber das sind wir ja schon gewohnt von Internationalen Veranstaltungen. Einzig Matthias hat beim Qual der Wahl Federn gelassen und musste sich mit einem elektronischen Markerpunkt zufrieden geben da er nicht nahegenug ans Ziel herankam. Anschließend trennten sich die Wege der Deutschen ein wenig weil dann verschiedene Strategien gefahren wurden. Zum Teil direkt der Winkel, zum Teil erst einmal ausprobieren und so weiter. Ich z.B. fuhr meinen Winkel (hier konnte ja keiner ahnen dass es am Ende der Fahrt auf einmal noch weiter nach links drehen würde, wir dachten zu dem Zeitpunkt ja dass das Links was wir hatten schon toll wäre!) und begann anschließend gleich meine Dreiecksfläche. Diese wollte ich erst tief nach Westen und anschließend in rund 3000 Fuß Höhe nach Norden fahren, hab aber nicht gemerkt dass ich direkt auf ein Sperrgebiet zufuhr. Gott sei Dank haben die Teamkollegen aufgepasst und David machte Matthias und mich darauf aufmerksam. Dumm nur das ich eben schon in meiner 30-Minuten Aufgabe Dreiecksfläche war und somit nicht in der tiefen Schicht weiterfahren konnte. Also schnell die Strategie geändert und in 3000 Fuß nach Norden gefahren (ich hatte natürlich bis dahin schon ein ganzes Stück nach Westen gefahren, was damit ja nahezu umsonst gewesen ist) da wir mittlerweile von unserem Windmessteam und von Uwe, der schon ganz hoch fuhr wussten, dass es zwischen 6000 und 7000 Fuß nach Osten zurück ging. Ich dachte mir zwar trotzdem dass dies wohl die mit Abstand schlechteste Dreiecksfläche werden musste, hatte am Ende aber doch noch ganz anständige 662 Punkte dafür bekomen. Puh! Danach stieg ich wieder ab um mich an meinem selbstgewählten Ziel zu versuchen. Hier war die Aufgabenstellung das ich mein PDG jederzeit im Logger deklarieren konnte, ich musste nur einen Mindestabstand von 1 km einhalten. Man konnte also beliebig oft sein PDG überschreiben wenn man merkte das man doch nicht so gut hinkam. Da es mittlerweile schon auf 10 Uhr zuging und damit die Windsysteme am Boden immer unstabiler wurden habe ich insgesamt 5 mal mein PDG geändert, weil ich jedesmal kurz vorher in eine völlig andere Richtung fuhr. Meine Mannschaft war auch schon ein wenig genervt, da ich sie wie die Hasen über die staubigen Pisten von einem Ziel zum anderen gescheucht habe. Beim 5. mal dachte ich mir dann „Jetzt oder Nie“ und war daher auch mit meinem 50 Metern Ablage ganz zufrieden. Leider war das natürlich in Relation zum Rest nicht sonderlich berauschend, aber ich hätte keine Lust auf einen weiteren Versuch mehr gehabt. Alles in allem war es für unsere Mannschaft eine ziemlich erfolgreiche Fahrt mit teilweise hervorragenden Ergebnissen (Adi 1,73 m beim FlyIn und 2,03 mein HWZ, Sven mit 0 m beim PDG, 178,68 Grad beim Winkel und 10,71 km² bei der Dreiecksfläche). Wir waren also mit vorne dabei und der Start war geglückt.

Am Abend hat sich schon angedeutet das wir wohl gemeinsam starten werden, da auch an den Vorabenden immer gegen Sonnenuntergang eine sehr starke Windzunahme zu beobachten war. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass wir um 16 Uhr beim Nachmittagsbriefing nur 1 Aufgabe und einen Start vom CLP2 vorfanden. Also setzte sich die Karawane der 77 Teilnehmer in Bewegung um sich vor Ort erst einmal mit Fußballspielen, Frisbee werfen oder Nichts Tun die Zeit zu vertreiben. Beim Zusatzbriefing um 18 Uhr war dann aber schon klar dass der Start wohl klappen wird, da die Böen doch deutlich abgenommen hatten. So kam um 18:45 Uhr die grüne Flagge und es kam Bewegung ins Feld. Seltsamerweise hat pünktlich zum Aufrüsten der Wind um 90 Grad gedreht, was wieder einmal zu sehr interessanten Bildern beim Aufrüsten geführt hat. Da wir noch nicht angeblasen hatten haben wir einfach unsere Hülle nochmal versetzt und konnten somit entspannt aufrüsten. Als die ersten Ballone dann in der Luft waren war schnell klar, dass wenn überhaupt, dann nur das nördlichste der Ziele anzufahren sein wird. Denn die Bodenströmung Richtung Osten, die vorher 2 1/2 Stunden konstant da war, war plötzlich wie abgeschnitten. Allerdings war der „neue“ Bodenwind kein bißchen stabil, und so gab es bei den tief am Boden zum Ziel dahinschleichenden Ballonen lustige Hüllenberührungen und Grüppchenbildungen. Sven und ich entschieden uns etwas höher zu fahren und konnten so ein klein wenig weiter nach Rechts zum Ziel kommen. Es fehlten uns aber noch ein paar Meter nach rechts, als plötzlich, keine 100 Meter über uns ein spanischer Ballon nahezu quer zu unserer Fahrtrichtung von links nach rechts vorbeifuhr! Also ein kleines bißchen gestiegen, gefreut wie ein Schnitzel das es nach rechts geht um im gleichen Moment zu merken, „DAS WAR ZU WEIT RECHTS!!“. Wir waren zwar beiden wie der Glöckner von Notre Damm an der Parachuteleine gehängt, aber zu spät ist zu spät. So fuhr er 150 Meter und ich sogar 200 Meter RECHTS am Ziel vorbei. Ich glaube 95 Prozent vom Feld fuhren links vorbei. SO EIN MIST! Wenigstens kamen unsere anderen Piloten dank unserer Vorarbeit recht gut hin und David konnte mit 8,94 Metern ein super Ergebnis einfahren.

Dann kam der WIND!! Den ganzen Sonntag über hat es hier über die staubige, trockene und flache Landschaft hinweggeblasen, sodass an Ballonfahren beim besten Willen nicht zu denken war. In der Spitze hatten wir am Nachmittag 40 km/h im Mittelwind und 70 km/h in den Böen. Wir vertrieben uns dann die Zeit mit Kartfahren und hatten einen Riesenspaß.

Leider hat uns der Wind heute morgen wieder am Boden festgehalten und nun sitzen wir da und hoffen und drücken die Daumen, dass es zum abend hin doch etwas eher ruhiger wird wie die ganzen Modelle vorhersagen. Denn wie oben erwähnt wäre jetzt langsam mal wieder die Zeit in die Luft zu kommen. Dafür sind wir ja schließlich hier. Im Gesamtranking liegen wir auf jeden Fall gar nicht schlecht, Sven 2. Platz, David auf Platz 10, Uwe 12., Adi auf 21, ich auf 35, Matthias auf 56 und Marcus auf einem ausbaufähigen 70. Platz. Wir sind auf jeden fall alle heiß auf Ballonfahren und werden alles geben damit am Ende alle 7 Teams mindestens in den Top 30 stehen.

Drückt uns weiter die Daumen und wünscht uns Glück für die nächsten Tage.

Schöne Grüße aus Spanien,

Martin

Ein Gedanke zu „„Kleiner“ Zwischenbericht“

  1. Danke für den Bericht, war gut zu lessen. Drücke Euch weiter die Daumen, schönen Gruss an Alle.
    Aus der schönen Zentralschweiz
    Torsten

Kommentare sind geschlossen.